| |
|
|
 |
 |
| Biografie
|
| 1935 |
geboren in Vimercate bei Mailand, Italien |
| |
|
| 1948 |
Studium "disegno tecnico e meccanico" |
| |
|
| 1949 |
beginnt autodidaktisch Landschaften und Selbstbildnisse
zu malen |
| |
|
| 1957 |
lernt Lucio Fontana, Piero Manzoni und Enrico Castellani
kennen |
| |
|
| 1959 |
Veröffentlichung einer Arbeit in der ersten Ausgabe
der Zeitschrift "Azimuth". Es entstehen die ersten "Estroflessioni" |
| |
|
| 1965 |
längerer Deutschlandaufenthalt |
| |
|
| 1966 |
Mehrjähriger Arbeitsaufenthalt in New York, Reisen
durch Nordafrika |
| |
|
| 1970 |
Bühnenbild für das Ballett "Partita"
von Goffredo Petrassi im Teatro Romano, Verona |
| |
|
| 1973 |
Kulisse für das Ballett "Rot" im Teatro
dell'Opera, Rom |
| |
|
| 2002 |
erhält Preis "Presidente della Repubblica"
als Bildhauer von der Accademia Nazionale di San Luca |
| |
|
 |
 |
| Ausstellungen
(Auswahl) |
| |
|
| 1951 |
"Magno a Brescia", Brescia |
| |
|
| 1956 |
Galerie Totti, Mailand |
| |
|
| 1958 |
"Bonalumi, Castellani, Manzoni", Galerie
Pater, Mailand |
| |
|
| 1967 |
"Lo spazio dell'immagine", Palazzo Trinci,
Foligno
Galerie Bonino, New York |
| |
|
| 1969 |
"5 Italiener", Badischen Kunstverein, Karlsruhe
Galerie del Leone, Venedig mit Alviani, Castellani, Fontana und Manzoni
|
| |
|
| 1970 |
25. Biennale in Venedig |
| |
|
| 1971 |
Galerie Modern Art, Berlin |
| |
|
| 1977 |
"Geometrie", Galerie Schubert, Mailand |
| |
|
| 1978 |
"Distratti dall'Ambiente", Galerie Civica
d’Arte Moderna, Bologna |
| |
|
| 1984 |
"Tridimensionalità", Villa Laura,
Cerneglons |
| |
|
| 1986 |
2. Ausstellung "Triennale d’Arte Contemporanea",
Palazzo del
Turismo, Mailand |
| |
|
| 1991 |
Galerie Blu, Mailand |
| |
|
| 1997 |
"L’altra linea dell’arte – Abstrakte
Kunst Italiens 60/90", Dumontkunsthalle in Köln |
| |
|
| 1998 |
Galleria Fumagalli, Bergamo
" Monocromo bianco", Basilica Palladiana, Spazio laboratorio,
Vicenza |
| |
|
| 2000 |
Andrea Pronto Arte Contempoarea, Crespano del Grappa
mit
G. Pomodoro und Giuseppe Uncini
Galerie Niccoli, Parma |
| |
|
| 2001 |
"Premi ed Esposizioni nell’Italia del dopoguerra",
Galerie Civica d’Arte Moderna, Gallarate |
| |
|
| 2002 |
"Meisterwerke italienischer Kunst im 20. Jahrhundert
aus den Sammlungen der Stadt Mailand", Neues Museum, Weimar |
| |
|
| 2003 |
"Malerei in der Dritten Dimension", Institut
Mathildenhöhe Darmstadt
Sebastian Fath Contemporary, Mannheim |
 |
 |
| Der
Künstler |
| |
|
| |
Agostino Bonalumi malt Bilder in der dritten Dimension.
Seine tela estroflessa (ausgestülpte Leinwand) bildet
geometrische oder organische Reliefs, die die Ebene des Bildes verlassen
und in den Raum greifen.
In den 50er Jahren war Bonalumi Teil jener Revolution in der Kunst,
nach der sich die Definition und das Verständnis von Kunstwerken
grundlegend änderte. Zwischen 1958 und 1960 führte das
in ganz Europa zu einem Umbruch: Die Erscheinungsformen der Umwelt,
die bisher mit viel Aufwand und Mühe möglichst naturgetreu
nachgeahmt wurden, wie Schatten, Struktur, Licht, Tiefe, wurden
als Schein und Illusion enttarnt. Die Gruppe Azimut,
zu der neben Agostino Bonalumi auch Piero Manzoni und Enrico Castellani
gehörten, forderte, dass das Werk selbst das Kunstwerk sei
und nicht der Versuch einer Nachahmung, auch nicht von Emotionen,
wie im Informel und im Action Painting. Das Objekt bekommt eine
eigene Realität und Authentizität. Es stellt nicht dar,
es bildet nicht ab, es erzählt keine Geschichte. Das, was der
Betrachter bisher in einem Bild wahrzunehmen vermeinte, muss jetzt
das Kunstwerk tatsächlich bieten. Licht, Schatten, Struktur,
Raum müssen im Bild enthalten sein und nicht als Täuschung
der Wahrnehmung beim Betrachter hervorgerufen werden.
Bonalumi erfüllt diese Ansprüche. Schon in seiner ersten
Gruppenausstellung, gemeinsam mit Manzoni und Castellani, zeigt
er dreidimensionale Gemälde (Pittura-Oggetto), noch ganz vom
Informel inspiriert, mit bemalten Objekten und Gegenständen
wie Holzstückchen und Stoffresten. Seit 1959 arbeitet Bonalumi
mit geometrischen Formen, die aus der Leinwand herausgestülpt
werden. Es entstehen Reliefs mit Kreiselementen und Rechtecken in
immer neuen Konstruktionen. Die Farbe wird auf ihren reinen Selbstausdruck
reduziert, auch sie soll nichts nachahmen, keine Modulierung enthalten,
sondern Farbe bleiben. Das gelingt am eindrucksvollsten mit monochromen
Werken. In der Weiterentwicklung kommen serielle Rhythmen hinzu:
Bonalumi unterteilt die Leinwand in viele horizontale oder vertikale
Ausbuchtungen. Waren die früheren Arbeiten ganz in Schwarz
oder Weiß gehalten, tritt jetzt der Aspekt der Malerei hinzu.
Rot, Blau oder Grün tauchen als Farben auf, und Bonalumi experimentiert
mit wirklichem Schatten, der durch die Erhebungen entsteht und gemaltem
Schatten, der sich erst auf den zweiten Blick als künstlich
zu erkennen gibt. Geometrische Formen werden durch Organische ergänzt.
Dem von der Gruppe Manzoni/Castellani/Bonalumi entwickelten theoretischen
Bedingungen und seinem eigenem ästhetischen Anspruch wird Bonalumi
durch seine Estroflessioni gerecht: Die ausgestülpte
Leinwand ist nicht mehr Träger einer scheinhaften Welt, sie
selbst ist das Kunstwerk. Durch eine Unterkonstruktion aus Holz
oder Draht wir die Leinwand geformt, sie tritt in die dritte Dimension
ein, wird zu einem plastischen Relief mit Struktur und Tiefe und
so zum Lichtträger und Schattenwerfer.
|
|